Interner Pressespiegel: Mit freundlicher Genehmigung der Redaktionsleitung des Münchner Merkur, Ausgabe Starnberg, informieren wir Mitglieder des Bayerischen Yacht-Club e.V., über Beiträge zum Segelsport in der Region.

Landkreis – Als ihn die Nachricht aus Italien erreichte, dass ältere Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, schon nicht mehr beatmet werden, um Kapazitäten für jüngere Patienten zu schaffen, war Ilja Wolf total erschüttert: „Wenn du so etwas hörst, wird alles andere zur Nebensache.“ Trotz der Pandemie, die mittlerweile ganz Europa im Würgegriff hält, muss sich der Manager des Bayerischen Yacht-Clubs um die ganz alltäglichen Dinge kümmern. Die Boote werden zurzeit wieder segeltüchtig gemacht, schließlich soll die Saison am Starnberger See im April beginnen. Was dann wirklich passiert, das kann der Manager beim besten Willen nicht vorhersehen: „Wir bereiten die Regatten vor, womöglich müssen wir einige Absagen machen.“

Nach einigen Tagen der Funkstille meldete sich der Deutsche Segler-Verband zu Wort: „Wir alle sind aufgefordert, soziale Kontakte soweit wie möglich zu vermeiden.“ Und gab die Empfehlung aus, bis Ende April keine Veranstaltungen (Regatten, Training, Ansegeln, Versammlungen etc.) durchzuführen und alle geplanten Termine abzusagen.

Der Deutsche Touring Yacht-Club wartete erst gar nicht auf Handlungsanweisungen aus Hamburg. In Tutzing wurden schon vorher Mitgliederversammlung und alle Trainingsmaßnahmen auf unbestimmte Zeit verschoben. Offen ist, ob das Silberne Opti-Segel am Ende der Osterferien stattfinden kann. „Wir folgen den Vorgaben des DSV“, erklärte Thilo Durach, streng nach den Richtlinien des Verbandes zu handeln. Es gibt aber auch Entscheidungen, die niemand dem Pressesprecher und seinem Club abnehmen kann. Am 8. Mail soll eigentlich auf dem Chiemsee die Segel-Bundesliga in ihre neue Saison starten. Wie, ist momentan nicht klar. Durach spricht von einer „Herausforderung“, denn an eine geordnete Vorbereitung der 36 Erst- und Zweitligisten ist zurzeit nicht zu denken.

Der zweifache deutsche Meister hat seine Trainingsmaßnahmen am Gardasee schon abgesagt. Da wegen der Ramsar-Konvention das Segeln auf dem Starnberger See im März noch verboten ist, wich der Touring Yacht-Club am vergangenen Wochenende auf den Bodensee aus. „Es sind unsichere Zeiten“, räumt Maximilian Weiss ein, dass es ohne Improvisation nicht geht.

Zusammen mit dem Tutzinger Teamchef und seiner Crew verbrachte auch der Münchner Yacht-Club das Wochenende am Bodensee. Es war die vorerst letzte Maßnahme des Bundesligisten, nachdem am Montag die bayerische Regierung den Katastrophenfall für den Freistaat ausgerufen hatte. „Wir haben alle Trainingsaktivitäten für die nächsten drei Wochen abgesagt“, erklärte Micki Liebl, für den es angesichts der Lage auch keine Extratouren geben darf.

Aber nicht nur der Teamchef des MYC stellt momentan den ganzen Betrieb auf Null. Auch Ilja Wolf hat sich und seiner Crew eine Denkpause verordnet. Ursprünglich hatte der BYC-Teamchef seine Segler am Gardasee auf die kommenden Aufgaben in dieser Saison vorbereiten wollen. Inzwischen ist er soweit, erst Anfang April das Training im eigenen Revier wieder aufzunehmen, wenn es die Umstände zulassen sollten. Er kann sich nur schwer vorstellen, dass die Saison zum ursprünglich festgelegten Zeitpunkt eröffnet wird. „Ich wage zu bezweifeln, dass wir Anfang Mai Bundesliga haben werden.“ Was sich verschmerzen ließe. „Es ist eine ernsthafte Situation, wofür Leute Verständnis entwickeln müssen.“ Da sind die Probleme des Sports nicht mehr von Belang, sagte auch Weiss. „Wenn wir bis Mitte April nicht zur Normalität zurückgekehrt sind, haben wir andere Probleme, als uns ums Segeln zu kümmern.“

 Quellenangabe: Christian Heinrich, Starnberger Merkur vom 21.03.2020, Seite 40