Münchner Merkur – Die Gesichter bei Simon Diesch und Philipp Autenrieth wurden immer länger. Die Crew aus dem Württembergischen beziehungsweise Bayerischen Yacht-Club belegte bei der Weltmeisterschaft der 470er in Enoshima nur den 16. Platz. „Das war sicherlich nicht das, was wir wollten“, sagte das Team.

Eigentlich wollten die beiden Süddeutschen das Nationenticket für die Olympischen Spiele 2020 an gleicher Stelle lösen, doch sie scheiterten um Haaresbreite an der Herausforderung. Vier weitere der insgesamt 19 Startplätze bei Olympia gab es bei der WM zu verteilen. Mit ihrem Ergebnis schrammten Diesch und Autenrieth als Fünfte nur knapp an dieser Vorgabe vorbei. Die Hoffnungen der Mannschaft ruhen allein noch auf der Weltcup-Regatta im Frühjahr vor Genua: „Nächste und letzte Chance, sich zu qualifizieren, ist im April.“ Allerdings gibt es unter den europäischen Nationen, die definitiv noch nicht bei Olympia 2020 dabei sind, nur noch ein Ticket zu vergeben. Die Möglichkeit, dass ein Nationenstartplatz aus einem anderen Kontinent zurückgeht, weil er nicht besetzt werden kann, zog die Crew schon gar nicht mehr in Erwägung, obwohl sie dann erster Anwärter darauf wäre. „Den Männern trauen wir zu, die letzte Chance in 2020 zur Sicherung des Nationenstartplatzes nutzen zu können“, sagt Nadine Stegenwalner. Die Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbandes glaubt fest daran, dass den Teams der Coup noch gelingt.

Lange hatte sie darauf gehofft, dass Diesch und Autenrieth bereits in Enoshima alles klar machen könnten. Mit einer soliden Leistung (13/13/7/8) hatten sie die Gold Fleet erreicht. Dort lief es zunächst nicht wie gewünscht (18/11/16), bevor die Crew zum Schluss noch einmal Boden gutmachte (10/10/7), was am Ende aber nicht reichte.

Während die deutschen Männer mit bangen Blicken dem Frühjahr entgegensehen, herrschte bei den Frauen grenzenlose Erleichterung. Frederike Loewe und Anna Markfort landeten bei der WM wie Diesch/Autenrieth ebenfalls nur an 16. Stelle. Weil bei den Damen jedoch sechs Startplätze vergeben wurden, ergatterten die beiden Berlinerinnen gerade noch ein Ticket für Tokio.

„Wir sind ziemlich glücklich, dass unsere Teamgefährtinnen es geschafft haben“, gratulierten Nadine Böhm und Ann-Christin Goliaß. Das Team aus dem Deutschen Touring Yacht-Club kann sich im Frühling des kommenden Jahres ganz auf die interne Ausscheidung konzentrieren, welche deutsche Crew das Land in Tokio vertreten wird. Neben den beiden Mannschaften aus Berlin und Oberbayern sind auch noch Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein ein heißer Kandidat.

Die Tutzingerinnen erlebten eine WM mit mehr Schatten als Licht. Nach ihrem 21. Platz gaben sie sich selbstkritisch: „Das war nicht das, was wir angestrebt haben.“ Die ersten drei Rennen (31/29/24) verbrachten sie damit, in die Regatta zu finden. Für kurze Zeit schienen sie ihre Probleme am Start und mit der Geschwindigkeit in den Griff zu kriegen (14/3). Das Zwischenhoch währte aber nicht lange. Danach ging es weiter mit mittelprächtigen Ergebnissen (22/16/17/15/21/25). Entmutigen lassen sie sich dadurch nicht. „Immer lernen, niemals verlieren“, lautet ihr Vorsatz für das olympische Testevent Ende August an gleicher Stelle.

Auch Diesch und Autenrieth, denen sich dann ebenfalls die Chance bietet, sich zu rehabilitieren, haben noch nicht aufgegeben. „Der Kampf geht weiter“, kündigen sie an. Vielleicht folgen auf den markigen Worten ja bald die entsprechenden Taten.

Quellenangabe: Christian Heinrich, Starnberger Merkur vom 14.08.2019, Seite 40