Mit Pogo 40 auf der Hochseeregatta

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Stephan und Ralph Weyler – mit einer Pogo 40 auf der Hochseeregatta „Pantaenius Rund Skagen“

„Rund Skagen“ ist seit Beginn der 30er Jahre eine der legendären Hochseeregatten, die mit 510 Seemeilen von Helgoland über das Skaggerag, die Nordspitze von Dänemark und das Kattegat nach Kiel führt. Der Rekord liegt bei 43 Stunden und 46 min.
Unser Schiff, eine Pogo 40 ist eine Rennyacht mit großer Rumpfbreite, flachem
Unterwasserschiff, nach hinten offenem Heck und Kohlefaserrigg. Sie ist optimiert für schnelles Downwindsurfing. Das Schiff hat Doppelruderanlage, ist gewichtsoptimiert und hat schlichtweg Null Komfort. Geschlafen wird wie auf einem Ocean Racer.

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Rund Skagen (Foto: Ralph und Dr. Stephan Weyler)


Unsere Mannschaft: Skipper mit Transatlantik Erfahrung und Seglern, die sich vorher nicht kannten. Voraussetzung für die Teilnahme war ein zweitägiges ISAF Sicherheitstraining, in dem Gebrauch von Rettungswesten, Umgang mit Signalraketen sowie das Handling mit Rettungsinsel trainiert wurde. Das Schwimmen mit Ölzeug und Stiefeln ist im See schon schwierig, aber bei Sturm, Welle und niedriger Wassertemperatur nahezu unmöglich. Lifebelt also immer ein Muß. Man sagt, dass man bei 10 Grad Wassertemperatur gerade mal 10 Minuten Zeit hat, sich zu organisieren. Danach sinken die Überlebenschancen rapide. Das Besteigen einer Rettungsinsel mit voller Montur und aufgeblasener Rettungsweste ist extrem anstrengend. Die Enge in der Rettungsinsel ist bedrückend, wenn 6 Personen auf Hilfe warten müssen. Wir wünschen Niemanden, diese Erfahrungen jemals in der Realität umsetzen zu müssen.

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Rund Skagen (Foto: Ralph und Dr. Stephan Weyler)

Die Wind- und Wettervorhersage für die „Rund Skagen“ war geprägt durch ein Tief über dem Nordatlantik und starken Winden aus Nordwest. Lufttemperatur 10 Grad, Wassertemperatur 8 Grad.

Unser Schiff lag in Cuxhaven und musste nach Helgoland ca. 60 Seemeilen Luftlinie überführt werden. Schon hier zeigte sich die Nordsee von ihrer berüchtigten Seite. Windstärke 7 also 30 Knoten Wind mit Böen bis 40 Knoten also volle 8 Beaufort. Dabei eine steile ruppige Welle, die teilweise noch auf ablaufenden Strom traf. Mit drittem Reff und Stagsegel kämpften wir gegenan. Trotz des Wissens um die hochfeste Struktur des Bootes dachten wir bei mancher Welle, dass das Schiff auseinander bricht. An Ruhe unter Deck war grundsätzlich nicht zu denken. Nach 8 Stunden harter Arbeit erreichten wir den schützenden Hafen von Helgoland und hatten uns den Eier Grogg in der Bunten Kuh mehr als verdient. Wegen des schweren Wetters war der Fährbetrieb nach Helgoland an diesem Tag unterbrochen worden.

Der Start in Einzelgruppen erfolgte am Pfingstmontag um 16 Uhr. Bei Wind zwischen 6 und 7 Beaufort ging der Kurs in Richtung Sylt und Dänemark. Bei den niedrigen Temperaturen waren Skiunterwäsche, Faserpelz, Sturmkapuze und Neopren Handschuhe angesagt. Trotzdem blieb die schneidende Kälte stundenlange Realität. Geregelte Energiezufuhr war kaum möglich. Es blieb bei Schokoriegeln, Cola und Tee. Kochen konnte man schlichtweg vergessen. An erholsamen Schlaf war bei diesem Lärm, der Enge, der Kälte, der Feuchtigkeit, den extremen und permanenten Schiffsbewegungen und Null Komfort nicht zu denken. Das Heizaggregat hat im Sturm seinen Geist aufgegeben. Als dann die Seekrankheit einige Crewmitglieder heftig heimsuchte, wurden für uns die Wachintervalle mehr und die Ruhezeiten nochmals kürzer.

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Rund Skagen (Foto: Ralph und Dr. Stephan Weyler)

Mit Einfahrt in das Kattegat drehte der Wind dann auf Süd und verlor an Stärke. Nun konnten wir endlich eine Lattentasche im Großsegel reparieren. Leicht gesagt, denn einer von uns musste bis zur zweiten Saling hochgewinscht werden. Gut dass wir nicht die leichtesten an Bord waren, und ein anderer musste diesen Job machen. An der Nordspitze von Langeland kam dann endgültig das volle Kontrastprogramm. Es setzte große Flaute ein, die an den Nerven zehrte und viel Zeit kostete. Jeder kleine Windhauch führte zu Segelkorrektur und zu vermeintlich besseren Kursen. Aber man war einfach wie festgeschraubt.

In der Kieler Bucht frischte der Wind wieder auf und wir konnten zwar erschöpft aber voller Optimismus dem Ziel beim Kieler Yacht Club entgegen segeln.

Insgesamt waren 58 Yachten gemeldet, 42 sind gestartet, 37 sind durchgekommen. Der Gewinner über Alles war in einer Zeit von 47 Stunden die Outsider, eine 52 Fuss Rennyacht.

Rund Skagen (Foto: Ralph und Dr. Stephan Weyler)

Rund Skagen (Foto: Ralph und Dr. Stephan Weyler)


Wir haben nach gesegelter Zeit in der Gesamtwertung den 16. Platz belegt und in unserer Klasse nach berechneter Zeit den dritten Platz mit einer Zeit von 89 Stunden erreicht.

Die Platzierung war erfreulich, aber primär nicht wichtig. Was bleibt, ist die Erfahrung mit extremen Wind- und Wellenbedingungen, das auf sich gegenseitige Verlassen und Vertrauen in die Crew, das realistische Abschätzen von Risiken, die intensive Vorbereitung auf Schiff, Handling, Wetter und Sicherheit sowie die eigene Fitness – denn eine Offshore-Regatta über vier Tage ist mit einer Tageswettfahrt mit anschließender warmer Dusche nicht vergleichbar. Besonders ist auch die Erfahrung, ein solch herausforderndes Rennen gemeinsam als Vater-Sohn-Team zu erleben.

Würden wir eine solche Herausforderung nochmals annehmen? Ja – auf jeden Fall.

Text: Ralph und Dr. Stephan Weyler

By |24. Mai 2016|

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