Wieder auf der Erfolgswelle? Theresa Steinlein (17) und Lina Plettner (18), die erfolgreichen 420er Spitzenseglerinnen aus dem Bayerischen Yacht-Club, werden auf der Ostsee vor Warnemünde gefordert. Eigentlich sollten sich Ilja Wolf und seine 420er-Segler in Warnemünde gleich ein Ferienhaus mieten. Seit Mittwoch hat der Manager des Bayerischen Yacht-Clubs mit seiner erfolgreichen 420er Flotte Quartier an der Ostsee bezogen, um sich auf die erste Ausscheidung für die Welt- beziehungsweise Europameisterschaft vorzubereiten. Von Freitag bis Sonntag versuchen seine sieben Teams, seine ehrgeizige Maxime umzusetzen: „Die Vorgabe heißt Quali.“ Zwölf Tage später steht dann schon die nächste Veranstaltung in Warnemünde mit der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft an, die zum Gesamtergebnis dazuzählt. Vor den entscheidenden Wettfahrten befragten wir Theresa Steinlein und Lina Plettner, die dieses Jahr schon die Bronzemedaille World Sailing – Youth Worlds ersegelten nach dem Stand der Dinge.

Herzlichen Glückwunsch zur Bronze-Medaille, das hat in 49 Jahren kein Deutsches Damenteam geschafft. Hattet ihr das erwartet?

Lina: Nicht wirklich erwartet, aber wir wussten schon vom letzten Jahr im Texas (Youth Sailing Worlds 2018), wo wir unglücklich 8. wurden, dass mehr für uns drin ist. Wir haben uns deshalb ein Medaille fest vorgenommen.

Es war ja ein aufregender Weg?

Resi: Ja, das kann man sagen. Schon die Ausscheidung war knapp, weil da ein BFD war, der am Ende keiner war. Das konnten wir in zwei Protestverhandlungen beweisen. Eigentlich hat meine Schwester Sophie die Ausscheidung overall gewonnen, ihre Vorschoterin war aber zu alt. Wir waren insgesamt Zweiter.

Wie war die Stimmung am Anfang bei der WM?

Resi: Bei der WM waren wir cool. Wir haben oft mit Ilja und meinem Vater telefoniert. Alles lief nach Plan. Vor der letzten Wettfahrt – so kurz vor der Medaille, wurde ich aber doch sehr nervös. Ich habe dann vor dem Ablegen mit meinem Vater telefoniert. Der hat mich beruhigt: „Denk nur an das letzte Rennen der Deutschen Meisterschaft, da hat es auch geklappt!“ Das war ein ganz guter Psycho-Trick.

Wie läuft so eine Youth Worlds ab?

Lina: Das ist schon etwas anderes als normale Wettfahrtserien. Ein Team pro Nation in jeder Klasse, neue, unbekannte Trainer vom DSV, alles sehr professionell organisiert. So ähnlich wie bei einer Olympiade, richtig cool.

Man teilt sich ein Betreuerteam mit dem Jungs-Team aus dem gleichen Land, so konnten wir uns das Trainerboot mit Krisch und Philipp teilen. Was allerdings auch nicht einfach ist. Die Jungs brauchen einen anderen Trimm. Zudem waren die vom Veranstalter gestellten Segel sehr schwierig zu trimmen.

Ihr habt dann im Anschluss die Jugendeuro gesegelt?

Resi: Ja das war auch sehr cool. Leider war Lina in den ersten Rennen etwas krank. Außerdem waren wir auch von den Youth Worlds geschlaucht. Am Ende fehlten jedoch nur sechs Punkte um auch hier Bronze zu gewinnen, wir wurden 4. im letzten Rennen, das hat leider nicht ganz gereicht.

Wie ist das weitere Programm?

Lina: Nach etwas Pause haben wir am Gardasee und in Warnemünde zwei richtig gute Trainings gehabt, jetzt geht es weiter mit den Ausscheidungen.

Ihr zeigt seit Jahren enormen Einsatz, seid gut in der Schule, wie macht Ihr das?

Resi: In so einem langfristig angelegten Regatta- und Trainingsprogramm wird man effizienter. Man lernt, wenn andere mit dem Handy chillen …, freut sich auf die Segel-Kumpels beim nächsten Event, das motiviert.

Wer unterstützt Euch?

Resi: Vor allem unsere Eltern, Bavaria Yachtversicherung mit Sandra Ahrabian, die uns beim Segelkauf großzügig finanziell unterstützt, der Bayer Yacht-Club, der uns mit Ilja einen der weltweit besten Trainer zur Verfügung stellt. Danke hierfür.

Lina/Resi: Einen Zuschuss für dieses Jahr hat die JJA des BYC allerdings gestrichen. Der Grund: Weil wir keine Zeit hatten, an der Bayerischen Jugendwoche teilzunehmen. Lina musste Ihre Seminararbeit schreiben. Das trifft in erster Linie unsere Eltern … Dann soll die JJA eben dieses Geld bei ihren 2K-Events verfeiern, wofür sie ein Wochenende im Jahr trainieren. Unserem Sportsgeist entspricht das nicht, dem des BYC hoffentlich auch nicht. Ist trotzdem komisch wenn wir aus der ganzen Welt Gratulationen bekommen und sich unser eigener Club bis auf wenige Ausnahmen zurück hält.

Was ist Euer zukünftiger Plan.

Lina/Resi: Abitur im April nächsten Jahres. Und dann weiter 420er segeln. Im 420er ist das für Damen wegen des geringeren Gewichts lange möglich, in Spanien z.B: segeln die Top-Damenteams bis 25. Dann wollen wir auch vielleicht auch mal Junioren Segel-Liga segeln, Ilja „bastelt“ an einem Damen-Junioren-Liga-Team.

Danke für das interview, viel Erfolg!