Route du Rhum: Herrmann (GER-NRV, BYC) als starker 5. von 20 im Ziel

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Nach 13 Tagen, drei Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden blieb die Zieluhr stehen. Dann war der Wahl-Münchner Boris Herrmann (Unterhaching) mit seiner Segelrennyacht „Malizia Yacht Club de Monaco“ am Samstagabend, 17. November, starker Fünfter der renommierten Transatlantikregatta Route de Rhum. Zu seiner Premiere machte der erste Deutsche in der IMOCA-Klasse bei einer Ozeanüberquerung von sich reden und wurde den eigenen, hochgesteckten Erwartungen unter 20 internationalen Teilnehmern gerecht. Es gewann der Franzose Paul Meilhat auf der älteren, ohne Foils zum Abheben übers Wasser ausgerüsteten „SMA“, der nach 3.542 Seemeilen von Saint-Malo in der Bretagne aus gut 16 Stunden vor dem 37-Jährigen Boris Herrmann in Pointe-à-Pitre auf der Karibikinsel Guadeloupe war. „Ich bin einfach nur stolz, erleichtert und überglücklich, hier heil unter den besten fünf der Welt angekommen zu sein“, sagte Boris Herrmann nach dem Zieldurchgang um kurz vor 18 Uhr deutscher Zeit, der sich durch eine Flaute hinter der Insel über mehrere Stunden hingezogen hatte. Die letzten Meter ins Ziel zeigte die hochmoderne, mit knallroten Tragflächen (Foils) ausgestattete Open 60 „Malizia“ noch einmal in Rauschefahrt, was in ihr steckt. Schon vor der imaginären Linie riss der geborene Oldenburger mehrfach jubelnd die Arme hoch, mit denen er hinterher die ganze Welt hätte umarmen können. „Es war strapaziös, ohne Frage, extreme Bedingungen teilweise über viele Stunden. Aber ich habe die Passage auch genossen. Das Boot und ich sind inzwischen eine fest zusammengeschweißte Einheit. In das Potential der ‚Malizia‘ habe ich hundertprozentiges Vertrauen“, analysierte der Skipper ein Rennen, das weltweit im Fokus steht und doch für ihn „nur“ ein wichtiger Test auf dem Weg zur Weltregatta Vendée Globe 2020/21 war. Vor allem sicher ankommen wollte er und möglichst im ersten Viertel. Allein die namhaften Ausfälle von Samantha Davies (Großbritannien) nach Rumpfdelamination der „Initiatives-Coeur“ und des französischen Topfavoriten Jérémie Beyou mit Problemen an der Steueranlage der „Charal“ in einem frühen Stadium belegten, dass dies keineswegs selbstverständlich war. Die ersten drei bis vier Tage nach dem Start waren von schwerem Wetter mit Sturmböen geprägt und verlangten ein hohes Maß an Seemannschaft, Behutsamkeit und Geduld sowie Durchhaltevermögen. Und dass bei solchen Einhandrennen die kleinste Unaufmerksamkeit zu einer mittleren Katastrophe führen kann, bewies Alex Thomson. Den sicheren Sieg vor Augen war der Brite mit 140 Seemeilen Vorsprung in der Nacht zu Freitag mit der „Hugo Boss“ auf schroffe Felsen an der Küste von Guadeloupe aufgelaufen, nachdem sein Armbandwecker versagt und der Skipper schlicht verschlafen hatte. Er befreite sich trotz schwerer Schäden am Boot mit Hilfe des Motors aus der misslichen Lage und war knapp zwölf Stunden vor Meilhat als Erster im Ziel. Für den unerlaubten Einsatz der Maschine erhielt er jedoch von der Jury eine 24-stündige Zeitstrafe und wurde am Ende nur Dritter hinter Yann Elies/„Ucar Saint Michel“ aus Frankreich. Platz vier ging an dessen Landsmann Vincent Riou mit der „PRB“, der knapp dreieinhalb Stunden vor Boris Herrmann im Ziel war. „Zwischendurch war mein Rückstand auf zehn Seemeilen zusammengeschrumpft“, berichtete Herrmann, „aber dann hat auch mich die flaue Brise auf der Rückseite der Insel erfasst und eingebremst.“ Eine Flaute im Zentrum eines Tiefs war es auch wenige Stunden nach dem Start in Saint-Malo, in der Herrmann das erste Mal von der vordersten Spitze des Felds abreißen lassen musste. Hinzu kamen kleinere Materialprobleme, die er jedoch mit Zeitverlust meisterte und schließlich die nördlichste Route aller Kontrahenten einschlug. Viele Experten sahen den Deutschen mitten im Rennen aufgrund der Wetterlage schon hoffnungslos zurückfallen, doch der clevere Navigator sollte mit seiner Strategie Recht behalten. Über viele Stunden lag die „Malizia“ fünf Tage nach dem Start sogar rechnerisch auf dem ersten Platz und schloss in den teils starken und sehr böigen Passatwinden die Spitzengruppe der Top fünf. „Das war von Beginn an mein ambitioniertes Ziel, und das habe ich erreicht“, so Boris Herrmann, „wenn ich das in zwei Jahren auch bekäme, würde ich sofort unterschreiben.“ Dann nämlich ist die berühmte Vendée Globe solo nonstop um den Globus bereits ebenfalls seit knapp zwei Wochen in Gang. Dort wird Boris Herrmann mit der Unterstützung des Yacht Club de Monaco (YCM) und seines Segelfreunds Pierre Casiraghi als Vizepräsident Anfang November 2020 wiederum als erster Deutscher überhaupt an den Start gehen.

Die Event-Website (mit Tracker, Fotos und Videos) ist hier

Text: Axel Fincke; Foto: Herrmann wird Fünfter © Sabina Mollart-Rogerson

By |22. November 2018|

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