Der Autor Thomas Käsbohrer stellt exklusiv am 19.02. bei Mittwoch im Club sein neues Buch „IN SEENOT“ vor!

Seenot: Das ist für jeden, der auf dem Wasser unterwegs ist, ein dramatischer Moment. Unvermittelt und oft unverschuldet gelangen Skipper und Crew in Extremsituationen, die schnelle Hilfe erfordern. Was eben noch ein fröhliches Dahingleiten an Bord war, ändert sich schlagartig. Der Motor fällt aus. Auf Rekordfahrt gerät man in einen schweren Sturm und das Schiff schlägt leck. Ein anderes Schiff rammt das eigene Boot…

Die Seenotretter der DGzRS fahren raus, wenn andere längst wieder im Hafen sind. Sie stellen sich der stürmischen See, um Menschen zu helfen, die bis aufs Äußerte und darüber hinaus gefordert werden, um sich und ihr Schiff zu retten. „IN SEENOT. Dramatische Stunden auf dem Meer“ erzählt Geschichten von Geretteten und ihren Rettern, vom Meer in seiner Urgewalt, von Sandbänken, Motorversagen, Wasser im Schiff und dem Alptraum jedes Skippers: dem Über-Bord- Gehen…

Thomas Käsbohrer hat in diesem Buch die Geschichten von Menschen gesammelt, die in Seenot gerieten. Stars der Regattaszene sind ebenso dabei wie Segler wie du und ich. Der Revierkenner Karl-Heinz Beständig berichtet aus seinem Heimatrevier Kroatien. Gutachter und Versicherer erzählen über Unfallursachen und ihre Folgen, ebenso wie Gerettete und ihre Retter über ihre dramatischen Erlebnisse an Bord.

Wie reagieren Menschen, wenn sie auf dem Meer in Extremsituationen geraten? Wie fühlt es sich an, wenn Wind und Wellen unbarmherzig werden? Und: Wie arbeiten Seenotretter? „Wenn die hier gesammelten Geschichten auch nur einen Menschen irgendwo auf dem Meer davor bewahren, in Seenot zu geraten, hätte sich unsere Mühe mehr als gelohnt“, so der Autor Thomas Käsbohrer. „Nur der selbstlose und freiwillige Einsatz der Seenotretter hat oft genug Schlimmeres verhindert. Ihre Arbeit erfolgt ehrenamtlich und auf eigene Gefahr. Wir haben uns daher entschlossen, 10 Prozent unserer Einnahmen an diesem Buch der DGzRS zu spenden.“

Mit Berichten von Loïck Peyron, Christian Kargl, Bernard Stamm, Boris Herrmann, Manfred Schöchl, Karl-Heinz Beständig, Tahsin Oezen und vielen anderen.

Sprachgewaltig erzählt, versetzen die wahren Geschichten von Thomas Käsbohrer den Leser unmittelbar ins Geschehen. Die Erfahrungsberichte bieten dabei einen echten Erkenntnisgewinn für jeden Skipper und Unterhaltung für jeden, der das Meer liebt. Zu lesen: Bevor man in Seenot gerät.

Das Buch: IN SEENOT.
Dramatische Stunden auf dem Meer.
In Zusammenarbeit mit der DGzRS / Die Seenotretter Paperback ISBN 978-3-946014-07-2; 292 Seiten, 24,95€
Lieferbar seit 5.1.2020

Lieferbar zusätzlich auch als Geschenkband mit Schutzumschlag und Lesebändchen:
ISBN 978-3-96706-009-6, 39,95 €
eBook 978-3-96706-010-2, 14,99 €

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Zur Person

Thomas Käsbohrer: Nach dem abrupten Ende seiner beruflichen Karriere ändert Thomas Käsbohrer seine Route und steigt auf sein kleines Segelboot LEVJE, mit dem er die Küsten Europas bereist. Vom Manager zum „Kapitän im Wörtermeer“ (Süddeutsche Zeitung)… Der Journalist und Historiker versteht es auf einzigartige Weise, Geschichte und Geschichten zu verweben und hat sich als Chronist unerzählter Leben einen Namen gemacht. Während seiner Reisen entsteht der Blog marepiu.blogspot.de – einer der meistgelesenen Segel- und Reiseblogs. Seine Bücher und Filme, darunter „STURM. Segler über ihre dramatischsten Stunden.“ erscheinen im Verlag millemari. 2018 erschien „DIE VERGESSENEN INSELN. Eine Reise durch die Geschichte der Welt“ in Europas größtem Belletristikverlag Penguin/Random House. AM BERG versammelte 2019 erstmals die dramatischen Geschichten von Bergrettern der Bergwacht.

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Interview mit Thomas Käsbohrer über das Buch IN SEENOT. Dramatische Stunden auf dem Meer

Frage: Was hat Sie veranlasst, ein Buch über Seenot zu schreiben? Steckt dahinter ein persönliches Erlebnis?

tk: Wer auf dem Meer unterwegs ist, kommt immer wieder mit dem Thema in Berührung. Ich wollte herausfinden, warum Menschen in Seenot geraten. Aber professionelle Neugier und Research ist nur das eine. „Research ist auch immer Me-Search“, hat mir der im Buch zu Wort kommende Psychologe Andreas Streicher einmal gesagt.

Frage: Haben Sie diese Gespräche bis zu einem gewissen Grad nicht aufgewühlt?

tk: Wenn einem jemand erzählt, wie er auf dem Atlantik über Bord ging und sein Schiff in der Dämmerung davonsegeln sah, lässt einen das nicht kalt. Und wenn eine Frau erzählt, wie ihr Ruderboot unter einen laufenden Frachter geriet, auch nicht. Ich habe aber am Ende eines jeden Gespräches gefragt: Wie hat Dich dieses Ereignis geprägt? Was machst Du heute anders? Welche Schlüsse hast Du daraus gezogen? Und habe daraus so viele lehrreiche Antworten bekommen, dass die Lerneffekte für mich bei weitem überwogen.

Frage: Für Ihre Interviews haben Sie vier Gruppen ausgewählt: Seenotretter. Bekannte Profisegler wie Loïck Peyron, Bernard Stamm oder Boris Herrmann. Fahrtensegler. Sowie Yachtbauer und Unfallgutachter. Warum diese Mischung und nicht nur beispielsweise Seenotretter?

tk: Ein Loïck Peyron, der zig-mal über den Atlantik und dreimal um die Welt gesegelt ist, oder ein Boris Herrmann haben eine ganz andere Art von professioneller Einstellung. Wenn der Mast bricht, sehen sie das anders als jemand, dem das zum ersten Mal passiert. Man kann von den Profis nur lernen – bis hin zu den Aussagen von Yachtbauern und Unfallgutachtern, wo die wirklichen Gefahren auf einem Törn und einer Yacht stecken. Der Mix im Buch ist das Besondere.

Frage: Sind Seenotretter Helden?

tk: Darüber denken Retter nicht nach. Sie sehen sich als Profis, die in einer hochprofessionellen Organisation arbeiten, um Menschen in Notsituationen beizustehen.

Frage: Warum wurden in Ihrem Buch die Menschen, ihre Reaktionen und Erfahrungen in den Vordergrund gestellt?

tk: Spannung ist für mich ein Vehikel, das in ein Learning führen soll. Ich habe jede Geschichte mit der Seekarte vor mir nachrecherchiert, auf Plausibilität überprüft. Distanzen nachgerechnet und die Verhältnisse versucht so darzustellen, wie sie gewesen sein könnte. Man lernt unglaublich viel, wenn man das Buch liest.

Frage: Kann man Ihrem Buch einen gewissen Voyeurismus vorwerfen? Ähnlich wie ein Autofahrer, der am Straßenrand stehenbleibt, nur weil es auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Unfall gab?

tk: Meine Anliegen ist es nicht, Voyeurismus zu generieren. Ich wollte einfach meine Erfahrungen als Segler selber erweitern. Von der einfachen Frage, ob mein Boot, meine Rettungsmittel eigentlich wirklich ausreichend sind bis hin zu ‚Wie reagiert ein Mensch in der Krise?‘ Wann hat man schon die Möglichkeit, 25 Leute, die in Seenot waren, zu fragen: Wie habt Ihr das gemacht?

Frage: Welche Lehren zieht der Autor selber aus den Geschichten?

tk: Das wurde tatsächlich eine sehr lange Liste: Von einigen Anschaffungen und technischen Dingen abgesehen sind das vor allem mentale Learnings. Der Chef einer Werft, der im Buch die drastischen Momente schildert, wie er in eine Windhose geriet und am Ende selbstkritisch über sich sagt: „Hinter jedem Seenotfall steckt ein Stück Selbstüberschätzung.“ Boris Herrmann auf die Frage, was ich von ihm als Segler lernen könnte. Das wird mich sicher weiter begleiten. Die Learnings übertrafen bei weitem, was ich erwartet hatte.

Frage: Die Geschichten für dieses Buch haben Sie nicht nur kreuz und quer durch Deutschland, sondern auch durch Europa geführt.

tk: … die Orte, an denen ich die Interviews führte, liegen tatsächlich zwischen der Bretagne, Hamburg und der Greifswalder Oie, der östlichsten deutschen Insel, auf der nur drei Seenotretter ganzjährig Dienst tun und die ich dort besuchte. Meine südlichsten Orte waren Triest und Wien.

Frage: Und was tut der Autor selber für die Seenotretter?

tk: Die Seenotretter verdienen unsere volle Unterstützung – und nach der engen Zusammenarbeit mit der DGzRS mehr als vorher. Verlag und Autor führen einen Teil des Erlöses an jedem Buch ab und stiften ihn den Seenotrettern. Wenn das Buch in der Lage ist, auch nur einen Fall von Seenot zu vermeiden, hat sich jede meiner Anstrengungen und die der Interviewten, mir Rede und Antwort zu schenken, gelohnt.