Start Malta, Ziel Malta: Das Rolex Middle Sea Race mit BYC-Crewmitgliedern im Sturm

Startseite|Beiträge|Start Malta, Ziel Malta: Das Rolex Middle Sea Race mit BYC-Crewmitgliedern im Sturm

Start und Ziel in Malta: Stephan (l.) und Ralph Weyler vor Royal Yacht Club in Malta

Ralph und Stephan Weyler unterwegs im Sturm: Rolex Middle Sea Race 2017 – 600 Seemeilen, brutale Bedingungen, von 104 gestarteten Yachten nur 35 im Ziel

Das Rolex Middle Sea Race ist ein Offshore-Klassiker. Die 600 Seemeilen lange Regatta führt von Malta durch die Straße von Messina, rund Sizilien, danach Pantelleria, weiter nach Lampedusa und wieder zurück nach Malta. Der Rekord für diese Strecke wird bislang von der Maxi Yacht Rambler mit einem Tag, 23 Stunden und 55 Minuten gehalten. Wir haben diese Offshore-Klassiker-Regatta mit dem Team Scarlet Sailplane auf einer Beneteau First 45 mit englischem Skipper und größtenteils englischer Crew gesegelt.

Vor diesem großen Hochsee-Event wurde eine Coastal-Regatta mit 18 Seemeilen gesegelt. Hier konnten wir den zweiten Platz in unserer Klasse und den sechsten Gesamtplatz ersegeln.

Der Start der 104 Yachten zur Offshore Regatta erfolgt jedes Jahr vor historischer Kulisse – dem Grand Harbour von Valletta vor Malta – in sechs Gruppen. Die Strecke bis Messina war mit blauem Himmel, 25 Grad und Wind um 20 Knoten für alle Crews phantastisch. Bei Messina kündigte eine kurze Flaute in der Abenddämmerung die nahende Wetter- und Windänderung an. Der Wind frischte stark auf und bei Stromboli brach ein Sturm mit über 40 Knoten – also neun Windstärken – los.

Etliche Yachten, darunter auch große Maxi-Yachten mit hoch-professionellen Crews, mussten bis knapp vor Palermo mit starken Beschädigungen wie angebrochenen Spanten (so die Maxi-Yacht Momo mit Markus Wieser) oder Mastbrüchen aufgeben. Unser Großsegel zerriss beim zweiten Reff. Wir mussten es bergen und das Trysail setzen, um die Yacht zu stabilisieren. Fliegendes Wasser, sechs Meter hohe Wellen, tosendes Windgeräusch und wiederkehrender Hagel machten diesen Schenkel des Kurses extrem schwer. Ein großes Kreuzfahrtschiff hat in unserer Nähe mit starker Krängung einen schützenden Hafen aufgesucht. Dieser Sturm hat uns mehr als zehn Stunden zugesetzt.

Nach Rundung von Favignana an der Nordwestküste von Sizilien ging es etwas ruhiger weiter bei 20 – 30 Knoten Wind und blauem Himmel bis nach Lampedusa. Trotz des zerrissen Großsegels und nur unter Trysail war aufgeben keine Option für das Team. Stattdessen wurde der große Spi gesetzt.

Der abendliche Wetterbericht ließ nicht zu viel Positives für die kommende Nacht erwarten: Wieder Sturmwarnung. Ab Lampedusa kämpften wir uns bei Windstärke acht raumschots im vollem Surf durch die Nacht bis zum 80 Seemeilen entfernten Ziel- und Heimathafen Malta.

Unser Fazit: Von den 104 gestarteten haben nur 35 Yachten das Ziel erreicht. Die amerikanische Maxi Yacht Rambler hat mit zwei Tagen und neun Stunden erneut line honors ersegelt. Nach berechneter Zeit hat ein russisches Team mit einer JPK 10.80 das Rolex Middle Sea Race gewonnen. Mit einer gesegelten Zeit von drei Tagen 19 Stunden und 47 Minuten wurden wir in der Gesamtwertung 18. und 6. in unserer Klasse – nach berechneter Zeit lagen wir noch vor Maxi Yachten mit Proficrews wie Rambler, Hugo Boss oder CQS.

Die Disziplin und die Kompetenz der englischen Segler waren für uns beeindruckend. Komfort und Verpflegung waren bei dieser Regatta und unter diesen Bedingungen nur Nebensache. Extrem viel Wind, über Stunden gerade bei Nacht, geht auf Konzentration, Kondition und Psyche. Aber das Erlebnis, phantastische Momente, die Erinnerung an „Sailing at its best“ und das Gefühl, es gepackt zu haben wiegt ungleich schwerer.

Weitere Informationen unter: rolexmiddlesearace.com

Text und Fotos: Ralph Weyler

 

 

By |30. Oktober 2017|

Mitglieder Login

Du bist nicht angemeldet.