Unterhaltsamer Polizeibesuch im Club

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45 Minuten spannende Informationen über den Starnberger See aus Sicht der Wasserpolizei: Keine langweilige Statistiken, viele spannende Hintergrundgeschichten und kompetente Antworten auf Fragen der Seglerinnen und Segler erzählte Kai Motschmann, Hauptkommissar bei der Polizei in Starnberg im Rahmen seines Besuchs im Bayerischen Yacht-Club.  Motschmann, seit 38 Jahren bei der Polizei, seit 30 Jahren bei der Starnberger Polizei und seit 20 Jahren bei der Wasserschutzpolizei (WSP) trat vehement dem falschen Eindruck entgegen, die Polizei würde nur an schönen Sonnentagen auf dem See Spazierenfahren,  Sommerfrischler herumschippern, und sie sei „quasi eine Spaßpolizei“. Er und seine sieben Kolleginnen und Kollegen seien mit der Arbeit an Land und auf dem Wasser vor allem im Sommer stark gefordert. Die acht Starnberger Beamten mit WSP-Ausbildung beginnen ihre Arbeit auf dem See parallel mit der Schifffahrt: „Von Ostern bis Oktober sind wir ständig auf dem See unterwegs. Bei besonderem Anlässen auch in der kalten Jahreszeit“. Zum Dienstbereich der Spezialisten mit Sonderausbildung  gehört der gesamte Starnberger See mit seinen Ufern – 22 Kilometer lang, bis zu fünf Kilometer breit, da ist rund um die Uhr allerhand zu tun.

Eine der Hauptaufgaben? „Wir überwachen die Bayerische Schifffahrtsordnung“. Halten sich die Freizeitkapitäne an die vorgeschriebenen Uferabstände (100 bzw. 300 Meter), wer segelt mit Unterstützung des Flautenschiebers, auch ein E-Motor am Ruderkahn ist genehmigungs- und kennzeichenpflichtig, betonte Motschmann. Überwacht wird auch der Wasserskifahrer-Bereich südlich der Roseninsel. Vor allem die Einhaltung der genehmigten Fahrzeiten (9.00 Uhr bis 13.00 Uhr und 15.00 Uhr bis 19.00 Uhr) erfordert stetige Präsenz. Am Herzen liegt den Polizisten der Schutz der ausgewiesenen Laichschongebiete rund um den See. Durchgeführt werden auf dem See auch hin und wieder Alkoholkontrollen. Auf dem Wasser wird „Trunkenheit im Verkehr“geahndet. Wer erwischt wird und mehr als 0,5 Promille hat, wird dem Landratsamt Starnberg gemeldet. Eine Anzeige wird ab 1,1 Promille erstattet – wegen akuter Gefährdung des Schiffverkehrs. „Das kann ziemlich teuer werden und auch den Führerschein fürs Auto kosten“, erläutert der Hauptkommissar.

71 Ordnungswidrigkeiten wurden von Kai Motschmann und seinen Kollegen 2016 aufgenommen und an das Landratsamt weitergeleitet, 43 Verwarnungen wurden von den Polizistinnen und Polizisten an Bord der Motorschiffe WSP1 und WSP2 auf dem Wasser ausgesprochen.

Auch Strafanzeigen mussten erstattet werden. Die WSP wird auch bei Einbrüchen in Bootshäuser oder Schiffe zu Hilfe gerufen. Die Täter können häufig ermittelt werden. Bei großen und kleinen Ganoven  am See besonders beliebt: Diebstähle von Außenbordmotoren. 2016 waren es fünf, 2015 nur zwei, 2014 noch sieben und 2013 satte neun (slowakische Täterbande.) Und. Das Jahr 2017 begann mit einem Motordiebstahl im Feldafing Segelverein… . Motschmann empfiehlt den Seglern deshalb die beliebte Gravieraktion: Motoren werden nummeriert und registriert und erhalten eine Registriernummer  eingraviert. Auch 2017 ist die Aktion wieder geplant und wird den Segelclubs am See rechtzeitig mitgeteilt.

Die  WSP sieht sich auch als Umweltschützer: Vor allem die Verschmutzung von Land  aus oder direkt auf dem See. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, zählt Kai Motschmann auf. „Vom Öl im See bis Eternitplatten oder Asbest.

Was passiert sonst einen schönen Sommer lang? Motschmann zählt auf: „Fischereikontrollen, Überprüfung  der Fischerei- oder Erlaubnisscheine, in der Schonzeit, auch Schonmaße der gefangenen Fische.“ Dann: Aufnahme von Schiffsunfällen und sonstigen Unfällen auf dem See. 2004 kollidierte das MS Starnberg mit der Kaimauer beim Schlosshotel Berg (22 Verletzte); 2008 fuhr die MS Seeshaupt in einen Steg, nachdem die Ruderanlage ausgefallen war (fünf Verletzte).

Der Tod auf dem See ist für die Polizei leider allgegenwärtig. Ein 13-jähriger Ruderer ertrank im Mai 2015 bei einer Trainingsfahrt. Im Mai 2016 stürzte ein Angler bei Tutzing aus seinem Ruderboot ertrank. Rückläufig sind die Tauchunfälle an der Allmannshauser Wand. In den letzten zwei Jahren gab es keine Todesfälle. 2007 und 2011 wurden jeweils vier, 2002 und 2006 jeweils sechs Tote registriert.

Erfreulicher für Kai Motschmann und seine Kollegen sind außergewöhnliche Ereignisse, die es zu regulieren gilt. Die Landung von Dornier Wasserflugzeugen (2004 und 2016), Munitionsfunde (Torpedosprengung 2008), Fund von Granaten oder die Bergung eines US-Hubschraubers bringen Farbe in den Alltag. Dazu die Routinen:

Rettungseinsätze bei starkem Wind, die Unterstützung der Wasserrettungskräfte und die Überwachung von Regatten auf dem See. Neu auf dem Wasser: Die vielen Stehpaddler. „Auf dem Wasser gibt es kaum Probleme“, berichtet Hauptkommissar Motschmann, „aber wenn die Paddler auf der Würm nach Leutstetten treiben und dabei die Natur übermäßig belasten gibt es immer wieder Ärger.“

Außergewöhnlich war eine der letzten Ermittlung von Kai Motschmann: Ein Mann mit Flossen an Händen und Füßen kraulte seit fast 20 Jahren am Ostufer mitten auf den Schifffahrtswegen. Ein gefährliches Unterfangen, das dem Flossenmann aber Spaß machte. Vor allem weil die Medien ausführlich darüber berichteten. Die Polizei konnte den Schwimmer ermitteln und aus dem Wasser ziehen.  

By |9. März 2017|

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