Aufregung beim Seglertag des DSV in München

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Am DSV-Seglertag 2017, der am Samstag,  25. November, in München stattfand, nahm als Vertreter des Bayerischen Yacht-Club Dr. Michael Steiner teil. Beobachter war Ehrenpräsident Manfred Meyer.  Als Kassenprüfer war Matthias Perret dabei.

Anbei einige Auszüge der Sitzungsprotokolle:

Seglertag wählt neues Präsidium: Mona Küppers als Präsidentin gewählt

Die Wahlen beginnen mit einem neuen GO-Antrag: die Redezeitbegrenzung wird aufgehoben.

Es kandidieren um das Amt des Präsidenten: Die kommissarische Präsidentin Mona Küppers und Vizepräsidentin Breitensport tritt gegen Oliver Kosanke, Vorsitzender des Mühlenberger SC (Hamburg) an.

Kosanke will „Entscheidungsfähigkeit des DSV wieder herstellen – nach innen wie außen“. „Ist der DSV eigentlich noch richtig aufgestellt“, will er fragen, mit anderen Nationen vergleichen. Den Service für Vereine könnte er sich vorstellen zu intensivieren, bspw Musterverträge für Trainer, Kooperationsmöglichkeiten kleiner Vereine (gemeinsame Jugendarbeit, Fusionen). Natürlich müsse auch mehr kommuniziert werden, beispielsweise jährliche Seglertage, die eintägige Arbeitstagungen wären, Foren an die Messetermine andocken. „Wir müssen unser Erscheinungsbild nach außen verbessern“, sagte er zum Thema Sponsoring.

„Wir brauchen nicht den Neuanfang vom Neuanfang“, sagte Mona Küppers. Die nötigen Veränderungen des DSV seien schon vor vier Jahren in Warnemünde beschlossen worden. „Ich stehe für den Umbau des Verbands, die Neuausrichtung als Service-Dienstleister für die Vereine. „Ein Schwamm drüber wird es mit mir nicht geben“, sagte sie über die Vorgänge der vergangenen Jahre. „Wir brauchen einen Kulturwandel!“ Die internen Struktur- und Entscheidungsprozesse müssten weiter vorangetrieben werden. Sie stehe auch für eine aktive Lobbyarbeit. Den Menschen in Deutschland das Segeln ermöglichen, sei schließlich das gemeinsame Ziel, so Küppers. „Es kann doch nicht sein, dass Sie in den Vereinen gefragt werden, warum wir Mitglied im DSV sind. Das muss sich ändern,“ sagte sie zu einem Thema, das wohl so alt ist wie der DSV.

Michael Steiner fordert für den BYC „einen Neuanfang“. Vor allem müsse der DSV Service-orientierter werden. „Der Bayerische Yacht-Club zahlt fast 10000 Euro pro Jahr an den DSV, aber wir hören und sehen fast nichts.“ Der Verband müsse wieder mehr für die Vereine da sein – und sich nicht mit sich selbst beschäftigen. Steiner erwarte best practice Beispiele für Jugendkonzepte, Breitensport oder Boat-Sharing. Idealerweise habe der DSV-Präsident eine räumliche Nähe zu Hamburg. Ein NRW-Vertreter dagegen betonte die Managementfähigkeiten Mona Küppers. „Wir haben das alles in NRW schon mitgemacht. Ohne sie würde es den LSV NRW wohl nicht mehr geben! Sie kann es schaffen, den DSV wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.“ Die Wahl wurde schriftlich und geheim durchgeführt. Das Ergebnis:

Oliver Kosanke 1114, Mona Küppers 3544 Stimmen.

Damit ist Mona Küppers erste gewählte Präsidentin des DSV. Sie dankte Oliver Kosanke für „einen harten Wahlkampf“ der ihr auch gezeigt habe, wo noch Lücken in ihrem Konzept seien. Küppers legte daraufhin ihr Amt als Vizepräsidentin Breitensport nieder (turnusmäßige Wahl erst 2018).

vg

 

DSV-Seglertag: Beitragserhöhung, aber nur gemäßigt

Das DSV-Präsidium beantragt eine Erhöhung der Pro-Kopf-Beiträge, die von den Vereinen in der Regel an ihre Mitglieder weiter gegeben werden. Für Erwachsene soll von 10,23 Euro auf 13 Euro erhöht werden, für Jugendliche von 4,09 auf 5 Euro.

Der Seglerrat hat als Kompromiss 12 Euro bzw. 4,50 vorgeschlagen. 30 Vereine haben beantragt, eine Erhöhung auf den nächsten Seglertag zu vertagen.

Udo Scheer DSV begründet das u.a. mit mehr Öffentlichkeitsarbeit des Verbands. „Wir brauchen diese Beitragserhöhung, um den Verband handlungsfähig zu erhalten“, so Scheer.

Kleinere Vereine stellen die Mitgliedschaft im DSV generell in Frage. „Das heute hier Gehörte“, wird als Argument angeführt, aber auch das Desinteresse großer Mengen von Freizeitseglern am Verband.

Der alte Beitrag gilt seit 1991 – und müsste inflationsbereinigt um 145 Prozent erhöht werden, so ein Delegierter. Allerdings sei es unsensibel, „so eine Bilanz hier vorzulegen und die Beiträge zu erhöhen“, so Uwe Jahnke, Warnemünder SC und Ex-Vizepräsident des DSV.

Nach mehreren wortbeiträgen wird der GO-Antrag gestellt, erst über den Haushalt zu diskutieren. Der GO-Antrag wird nicht akzeptiert. Doch der Antrag auf Beitragserhöhung wie vom Präsidium vorgeschlagen fällt glatt durch!

Zweite Abstimmung über den Kompromissvorschlag des Seglerrats: Hier kommt eine klare Mehrheit zustande. DSV-Beitrag ab 1.1.2018: 12 Euro für Erwachsene bzw 4,50 Euro für Jugendliche.

„Ich darf mich bedanken, das wird die Arbeit des DSV erleichtern!“, so Küppers. Seglerrats-Häuptling Reinhard Heinl fordert vom neuen, noch zu wählenden Präsidium „eine Kosten- und Leistungsrechnung“.

vg

 

Seglertag – Evtl. Satzungsänderungen verschoben

16 Anträge liegen dem Seglertag vor. Erstens der Antrag des Präsidiums auf umfassende Änderung des Grundgesetzes des DSV, der Satzung. Kurt Pochhammer beantragt für die Berliner Vereine, diese Satzungsänderung zu verschieben. Es gebe darin „Dinge, die man nicht einfach durchwinken kann“. „Erst seit drei Wochen“ kenne man den Wortlaut. DSV- Syndikus Dietmar Reeh hält dagegen. Alle formalen Vorschriften seien eingehalten, die von einer Kommission ausgearbeiteten Änderungen mehrfach vorgestellt worden. Doch Mona Küppers entzieht ihm – mit Mühe – nach gut vier Minuten das Wort, gemäß der vormittags beschlossenen Redezeitbegrenzung.

Küppers schlägt für Anträge Aussetzung der Redezeitbegrenzung vor. Diskussion und Vorschläge folgen. „Der Seglertag hat beschlossen, vier Minuten – und dabei bleibt es.“

 

Über den Berliner Antrag wird abgestimmt. Die Auszählung zieht sich. 2945 stimmen für den Verschiebungsantrag. 1810 nur dagegen. Das Thema Satzungsänderung sowie alle diesbezüglichen Anträge werden von der Tagesordnung genommen.

vg

Seglertag – personeller Neuanfang nötig?

Das Präsidium wird beim Seglertag neu gewählt- und die neuen Amtsträger sollen Pläne und Budgets, die das bisherige Gremium aufgestellt hat, dann künftig verwalten, gestalten und verantworten. Das sorgt für Unruhe unter den Delegierten.

Für das Amt des Präsidenten kandidieren die kommissarische Amtsinhaberin Mona Küppers und Oliver Kosanke, Vorsitzender des Mühlenberger SC (Hamburg). Die Stimmung ist differenziert. Während einige Landesverbände, so auch der Bayerische, sich für Küppers aussprechen, fordern viele Vereine (NRV, Bay. YC, ASC) einen personellen Neuanfang.

Christoph Hillenbrand, Vorsitzender des Kölner YC, und lange Jahre Schatzmeister des DSV, hält das gesamte Präsidium für gesamtverantwortlich. Doch in die Haftung nehmen könne man es nicht – es ist schließlich ehrenamtlich.

Auch Kurt Pochhammer, Vorsitzender VSaW und des noch existierenden STG eV, fragt das Präsidium, warum das System STG „zerstört“ wurde – und so die Sponsoreneinnahmen von 12 Mio. in vier Jahren auf annähernd null reduziert wurden.

Beide Redner schilderten ausführlich aus ihrer Sicht Hintergründe der Entwicklung – was prompt mit einem Antrag auf Begrenzung der Redezeit kolportiert wurde. Eine überwältigende Mehrheit stimmte für eine Begrenzung der Redezeit auf 4 Minuten.

In TOP 5 geht es um die Genehmigungen der Jahresrechnungen 2015 und 2016. Wirtschaftsprüfer und Kassenprüfer hatten die Genehmigung empfohlen. Die Jahresrechnungen wurden bei wenigen Gegenstimmen angenommen.

TOP 6: Entlastung des Präsidiums.

Reinhard Heinl, Vorsitzender des LSV BW, beantragt die Entlastung. Es habe in den Redebeiträgen für und wider gegeben. Wie geht es denn eigentlich weiter, habe sich auch der Seglerrat gefragt. Die Berliner Vereine beantragen Einzelentlastung. 1585 wollen Einzelentlastung – die Minderheit. Es wird gesamt abgestimmt. Große Mehrheit für die Entlastung des Präsidiums.

TOP 7: Wahl zum Seglerrat. 24 Kandidaten, der letzte davon erst am Morgen auf die Liste aufgenommen. Zu vergeben sind 16 Plätze (und drei Ersatzkandidaten). Qua Amt sind auch die Vorsitzenden der 16 Landesverbände Mitglied im Seglerrat.

Hunderte von Stimmzetteln müssen in der Mittagspause ausgezählt werden.

vg

Seglertag – DSV-Tochter DSV-Segel-Marketing GmbH bilanziell überschuldet

Rund 300 Delegierte haben am Samstagmorgen die Arbeitstagung in München aufgenommen. Die kommissarische Präsidentin Mona Küppers berichtete zweigeteilt – als Vizepräsidentin Breitensport und über den Zeitraum als Chefin des Verbands seit April 2017, nachdem der gewählte Amtsinhaber Andi Lochbrunner im März 2017 zurückgetreten war. Lochbrunner ist nicht anwesend.

Viele Projekte waren unter dem Motto DSV 2.0 angeschoben worden, blickte  Küppers zurück. Der Umzug von drei Abteilungen von Hamburg nach Kiel, die IT-Struktur, der Aufbau einer Abteilung Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit oder das Sponsoring durch eine DSV-Segel-Marketing GmbH – die Ende 2016 „bilanziell überschuldet“ war, so die anschließend vortragenden Wirtschaftsprüfer.

Beim Thema Finanzen sagte Küppers: „Hier ist in der Tat nicht alles gut gelaufen.“ ein Finanzbedarf von 1,2 Mio Euro wurde ermittelt. „Wie konnte das passieren?“, so Küppers. Es sei vorher kein Controlling beim DSV durchgeführt, angeschobene Projekte erforderten vorher nicht bedachte Folgekosten, Abfindungen und Sozialabgaben, Mehrkosten für Trainer, Abwicklung des STG etc.

Alle Projekte kamen daraufhin – nach dem großen Knall – auf den Prüfstand. Inzwischen konnte das noch amtierende Präsidium den Finanzbedarf des DSV auf 600.000 Euro reduzieren – bei einer Bilanzsumme von rund 3 Mio. Euro.

Das Präsidium hat eine Beitragserhöhung von bisher 10,23 auf 13 Euro pro Vereinsmitglied beantragt. Seit 1992 ist der Verbandsbeitrag unverändert. Gegenanträge liegen vor.

Auch die vorgeschlagene Satzungsänderung findet nicht ungeteilten Beifall. Dutzende von Anträgen liegen vor – es wird ein langer Seglertag.

Kassenprüfer Matthias Perret schlägt gerade eine tiefe Kerbe. Die Kassenprüfung habe 1,5 Mio. Euro „vermeidbare Mehrkosten“ ergeben! Etatüberschreitungen an manchen Stellen um sechsstellige Summen. Z.B. 285.000 Euro Rechtsanwaltskosten über Etat. Damit seien zwar 360.000 Euro eingenommen worden – aber das Verhältnis zum Sponsor sei so zerrüttet, dass eine Klage anstehe (das Präsidium widerspricht). Eine Agentur erhalte für die Sponsorensuche 10.000 Euro Honorar monatlich – ohne sichtbares Ergebnis. Bis zum vorzeitigen Ende dieses Vertrages Ende 2017 werden 180.000 Euro „buchstäblich für nichts bezahlt“! Als Kassenprüfer habe er vor allem die ordnungsgemäße Verbuchung zu prüfen – und müsse da dennoch die Entlastung empfehlen. „Die Kassenprüfer haben ihre Kompetenz überschritten“, war eine von zwei Wortmeldungen.

vg

 

 

By |26. November 2017|

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