Von Tasman Island bis Derwant River

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Unser Clubmitglied Gregor Franke segelte im Dezember das Sydney-Hobart Race mit. Nach einem zwischenzeitlichen Reparaturstop in Eden, kamen sie doch noch in Hobart an.
Hier sein finaler Bericht:

Kurz nach 1900 hatten wir einen der berühmtesten Wegpunkte der Regattawelt gerundet. Tasman Island, der Felsen der die Einfahrt in die Storm Bay markiert. Bis dahin hatten wir karibische Segel -Verhältnisse. Nordöstliche Winde, so dass wir schön mit Gennaker an der Tasmanischen Küste entlang fahren konnten und Temperaturen um die 32 Grad. Kurz vor Tasman Island wurde der Wind schwächer und sollte eigentlich auf Süd drehen. Aber kaum hatten wir die kleine Insel an steuerbord gelassen war der Wind ganz weg. Und plötzlich standen wir in der Flaute umringt von einigen anderen Schiffen, die während unserer Aufholjagd nach dem Zwischenstopp in Eden immer näher gekommen waren. In unserer Nähe befanden sich auch einige Delphine und eine Robbe, die uns das Warten auf Wind etwas leichter ertragen ließen. Interessant war vor allem der Schwell aus Süden, der erst kam, als wir um Tasman Island herum waren. Es ging rauf und runter, gut 3-4 Meter. Auf der einen Seite eigentlich ganz lustig, aus der anderen Seite unerträglich, weil die Segel einfach nicht ruhig stehen wollten. Wir haben alles versucht um das Schiff in Fahrt zu halten bzw. wieder in Fahrt zu bringen. Großsegel runter, anfahren mit der leichten Genua, dann Groß wieder hoch. Wir sind nach in alle Richtungen gefahren, nur um nicht stehen zu bleiben. Gegen späteren Abend kam dann endlich etwas Thermik und wir konnten uns von Windfeld zu Windfeld bewegen. Für die ersten 15nm in der Strom Bay haben wir 5 Stunden gebraucht. Erst als sich gegen Mitternacht eine stärkere Thermik aufgebaut hatte konnten wir endlich richtig los segeln. Bis zum Iron Pot, einem weiteren Headland waren es nur noch 25nm und dann noch mal 10nm den Derwent River hinauf bis zum Ziel in Hobart. Mit einsetzendem Wind kam auch auch die Freude am Segeln wieder. Außerdem wurde der letzte Teil des Rennens wieder richtig spannend. Ich konnte auf dem Rechner die AIS Signale der anderen Boote im Umkreis von 12nm sehen, ebenso ihren Kurs und ihre Geschwindigkeit. Ein riesen Vorteil wenn man weiß, wo seine Gegner sind, vor allem bei Nacht. Das Team an Deck konnte auf den letzten Meilen in der Storm Bay noch viele Schiffe gut machen und so sind wir als 60er in den Derwent abgebogen. In Sydney habe ich vom Eigner der Yendys (2-facher Gewinner des RSHYR) noch ein paar Tipps bekommen. Er sagte:“.. wenn du im Derwent bist, musst du dich immer rechts halten, immer so weit wie es geht!“ Gesagt, getan. In einem Wendeduell mit einem Clipper und einem weiteren Boot konnten wir unser Wissen direkt anwenden und haben noch einmal 4 Schiffe gutgemacht. Die Crew an Deck hatte mir am Anfang nicht glauben wollen, wie nah man an die Ufer des Flusses fahren konnte, aber nach ein paar Wenden hatte ich sie dann überzeugt. Es war eine schöne Kreuz den Fluss hinauf und dem Ziel entgegen. Immer mit 8 bis 10 kn Boatspeed. Kurz vor dem Ziel ist mir dann noch ein Leuchtturm in den Segelanweisungen in Auge gefallen, den ich so nicht auf dem Schirm hatte. Dieser war dann auch schnell gefunden wobei der Name auf der Seekarte und der in der Segelanweisung sich in keinster Weise ähnlich waren, aber durch die Koordinaten konnte das Seezeichen eindeutig zugeordnet werden. Die Panik bei mir war auch nur von kurzer Dauer, als ich feststellte, dass wir gar nicht hätten falsch fahren können, da der Leuchtturm an Land stand und man ihn nicht hätte anders runden können. Als wir dem Ziel näher kamen dämmerte es schon und es kam Hobart und der Mt. Wellington zum Vorschein. Jetzt brauchten wir nur noch die Ziellinie zu finden, die laut Segelanweisung zwischen einer Landmarke und einer beleuchteten weißen Rolex Bahnmarke seien sollte. In der Dämmerung war diese beleuchtete Bahnmarke erst nicht zu finden. Erst kurz vor der Linie konnte man die Taschenlampe, die an der Boje befestigt war sehen. Wahrscheinlich waren die Batterien nicht mehr ganz voll. Um 04.55.00 sind wir dann mit unglaublichen 0,7kn Speed über die Ziellinie gesegelt. Die Freude an Bord war riesig, nachdem wir nach unserem Stopp in Eden erst davon ausgegangen waren, dass für uns das Rennen gelaufen war. Jetzt hatten wir das Ziel in Hobart erreicht und sogar einen Zwischenstopp in Eden gehabt. Wir wurden dann von einem Schlauchboot zu unserem Liegeplatz begleitet und obwohl es kurz nach 0500 am Morgen war, waren schon viele Menschen am Steg und haben gejubelt. Allen voraus Jana und Maike, die uns auch die ersten Biere in die Hand gegeben haben. Der Skipper, der Navigator und die beiden Wachführer durften dann auch ein kurzes Bad im Hafenbecken genießen, was zur Beseitigung des angenommenen Geruchs nach 4 Tagen Segeln nur positiv aufgenommen wurde. Am Ende sind wir als 56ter über die Linie und wurden auch so gewertet. Auch wenn wir unseren Platz unter den ersten 25 durch die Probleme am Mast verloren haben war doch das Rennen, wie wir es jetzt erlebt haben doch einzigartig.

Es war von Anfang bis Ende ein spannendes Rennen und eine großartige Erfahrung und ein Erlebnis von dem jeder der Crew noch lange erzählen wird.

Text: GF/BYC

By |21. Januar 2016|

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