Für Carla Hagen gehört der Segelsport schon ihr ganzes Leben dazu. Als Kleinkind begleitete sie zunächst ihre älteren Geschwister zum Segeln, bevor sie mit sechs Jahren selbst im Optimisten ihre ersten Schläge über den See machte. Danach probierte sie viele verschiedene Bootsklassen aus – vom 420er über den Laser und den 49er bis hin zur J/70. Heute segelt die 17-Jährige, die gerade ihr Abitur in Starnberg macht, hauptsächlich gemeinsam mit ihrer Schwester Hannah und ihrer Mutter Drachenregatten auf dem Starnberger See. Die Wochenenden verbringt sie entweder auf dem Wasser oder als Wettfahrtleiterin im Bayerischen Yacht Club.
Zur Wettfahrtleitung kam Carla eher zufällig. Im Frühjahr 2025 bot der BYC eine Ausbildung für U30-Mitglieder an. Da sie zu diesem Zeitpunkt gerade mit dem leistungsorientierten 420er-Segeln aufgehört hatte, war für sie schnell klar: Das ist die perfekte Möglichkeit, dem Club und dem Segelsport trotzdem erhalten zu bleiben.
Eine entscheidende Rolle spielte dabei Clubmanager Nils Sternbeck. Er überzeugte Carla nicht nur davon, die Ausbildung zu machen, sondern brachte ihr schon vorher vieles über die Wettfahrtleitung bei. Und auch heute weiß sie, dass sie sich bei Fragen jederzeit auf seine Unterstützung verlassen kann. Erste Erfahrungen im Race Committee sammelte sie gemeinsam mit Thomas Klug und Thomas Key. Offenbar mit Erfolg, denn schon nach kurzer Zeit stand für Carla fest, dass sie irgendwann nicht mehr nur Flaggen ziehen, sondern selbst Entscheidungen treffen möchte.
Überrascht hat sie während der Ausbildung vor allem, wie schnell man sich das nötige Wissen aneignen kann – und wie viel Spaß die Aufgabe macht. Gleichzeitig lernte sie die andere Seite einer Regatta kennen. Als aktive Seglerin war ihr vorher nicht bewusst gewesen, wie viel Organisation, Vorbereitung und Teamarbeit hinter einer guten Wettfahrtleitung steckt.
Ganz ohne Herausforderungen lief der Weg allerdings nicht. Das Lernen für die Prüfung erforderte zunächst einiges an Disziplin. Wie sie selbst sagt, hat sie dabei irgendwann der Ehrgeiz gepackt – und am Ende erfolgreich durch die Prüfung gebracht.
An ihre erste Regatta als Wettfahrtleiterin erinnert sie sich bis heute genau. Besonders die Eröffnungsrede sorgte für ordentlich Nervosität. Dank der Unterstützung ihres Teams fühlte sie sich auf dem Wasser jedoch sicher und konnte ihre ersten Entscheidungen mit einem guten Gefühl treffen. Am Ende überwog vor allem eines: der Spaß.
Langweilig wird es als Wettfahrtleiterin ohnehin nie. Gerade am Starnberger See sorgen wechselnde Windverhältnisse regelmäßig dafür, dass der Kurs überprüft und manchmal angepasst werden muss. Ständig gilt es abzuwägen, ob alles noch passt oder ob Änderungen notwendig sind. Dazwischen bleibt aber auch Zeit, sich mit dem Team auszutauschen und den Seglerinnen und Seglern beim Wettkampf zuzusehen.
Bei der Vorbereitung kann Carla auf viel Unterstützung zählen. Ausschreibung und Segelanweisung muss sie beispielsweise nicht selbst verfassen. Stattdessen arbeitet sie mit eigenen Checklisten, bereitet die Steuerleutebesprechung vor, organisiert gemeinsam mit dem Team die Schiffe und beobachtet Wind und Wetter ganz genau.
Für eine gute Wettfahrtleitung sind aus ihrer Sicht vor allem Ruhe, Flexibilität und Teamarbeit entscheidend. Gerade auf dem Starnberger See müsse man schnell auf veränderte Bedingungen reagieren und den eigenen Entscheidungen vertrauen.
Am meisten Freude bereitet ihr, den ganzen Tag auf dem Wasser zu verbringen, gemeinsam mit vielen engagierten Helferinnen und Helfern Regatten zu ermöglichen und dem Club etwas zurückzugeben. Genau deshalb möchte sie auch andere junge Mitglieder ermutigen, sich ehrenamtlich einzubringen. Der BYC biete Jugendlichen viele Möglichkeiten und unterstütze sie in unterschiedlichsten Bereichen. Gleichzeitig lerne man viele neue Menschen kennen und werde noch stärker Teil des Clublebens. Und ganz ehrlich – was gibt es Schöneres, als ein sonniges Wochenende auf dem Wasser im Bayerischen Yacht Club zu verbringen?
Auch wenn Carla mit einem Augenzwinkern sagt, dass es für Olympia wohl nicht mehr reichen wird, hat sie im Segelsport noch viele Ziele. Offshore-Segeln, die 69F oder Urlaubstörns mit Freunden stehen ganz oben auf ihrer Wunschliste. Solange sie in der Nähe des BYC lebt, möchte sie außerdem weiterhin Regatten leiten. Was danach kommt, lässt sie offen. Fest steht nur: Sie freut sich auf alles, was der Segelsport noch für sie bereithält.
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