Der Genuss, mitten in einer Stadt zu segeln, bietet sich in Deutschland nur in Hamburg auf der Binnenalster. Umso leidenschaftlicher zelebrierte Julian Autenrieth die Gelegenheit, vor einer prächtigen Kulisse und reichlich Publikum sein Können in St. Petersburg zu demonstrieren. „Die Location mitten in der Stadt ist wunderschön“, schwärmte der Skipper des Bayerischen Yacht-Clubs von der Metropole an der Newa. Zusammen mit seinen Vorschotern Maximilian Hibler, Raoul Heraeus und Oliver Oczycz schwang er sich zu den neuen Herrschern der ehemaligen Zarenstadt auf. Die Bayern entschieden die Qualifikation zum Finale der Champions League, das vom 15. bis 18. August in St. Moritz ausgetragen wird, souverän und deutlich für sich.

„Insgesamt ein tolles Ergebnis für unser Bundesliga-Team“, lobte Ilja Wolf das Quartett für seine bärenstarke Vorstellung. Der Manager des BYC hatte nicht so sehr den ersten Platz im Blick. Die Regatta sollte der Crew auch zur Einstimmung auf den dritten Spieltag der Segel-Bundesliga am vorletzten Juli-Wochenende in Travemünde dienen. Aber auch in St. Petersberg lieferte das Team vom Starnberger See und ließ den Wassersport-Verein Hemelingen, der Zweiter wurde, klar hinter sich. Dritter wurde der Union Yacht-Club Wolfgangsee aus Österreich.

Autenrieth präsentierte sich mit seiner Crew bei der ersten großen gemeinsamen Regatta in diesem Jahr so fokussiert wie selten. Obwohl die unterschiedlichsten Einflüsse auf ihn einströmten, der Steuermann blieb stets abgebrüht und selbstsicher. Sturm und Regen beeindruckten ihn ebenso wenig wie eine zwischenzeitliche Flaute. Auch die Tücken der Newa hatte er stets im Griff. „Bei der enormen Strömung und dem geringen Wind muss man stets die Ruhe bewahren können“, sagte er. Gelassenheit war die wichtigste Tugend beim Törn in Russland.

Das war leichter gesagt als getan. Neben den Hemelingern rückten vor allem die Russen im eigenen Revier den Bayern zunächst auf die Pelle. Die probierten angesichts der Konkurrenz nichts Spektakuläres, sondern beschränkten sich in den acht Flights auf solides und vor allem effektives Segeln. „Durch unsere sehr guten Starts mit der Strömung lagen wir häufig unter den ersten drei Plätzen“, freute sich der Skipper, dass seine Taktik von Anfang an aufging. „Das machte die Rennen für uns einfacher.“ Im Gegensatz zur Konkurrenz vermasselten die Bayern kein einziges Rennen. Zwei vierte Plätze brachten dem Team die höchsten Punkteprämien ein. Dem gegenüber standen vier zweite Ränge und zwei Tagessiege.

„Es war ein überzeugender Sieg mit vier Punkten Vorsprung auf Hemelingen“, lobte Wolf seine Mannschaft für eine ausgezeichnete Darbietung. Die beschert der Crew das Ticket fürs Finale der 24 besten europäischen Teams, an dem aus Deutschland neben Hemelingen noch der Norddeutsche Regatta Verein und der Verein Seglerhaus am Wannsee teilnehmen. Statt Segeln in der City wird der bekennende Skifahrer Julian Autenrieth dann seine alpinen Erfahrungen abrufen müssen.

Quellenangabe: Christian Heinrich, Starnberger Merkur vom 11.07.2019, Seite 40

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Foto credits: SCL/Anya Semeniouk